Berichte 2009



11.
2009-Dez-27
OV am Sonntag [Vechta]

Vechtaer Student Franz-Josef Hartmann veranschaulicht grammatikalische und regionale Unterschiede der Region

Besonderheiten des Plattdeutschen

Im dritten Teil der OVS-Serie „Platt an der Uni“ geht Student Franz-Josef Hartmann aus Essen (Oldenburg) der Frage nach, woher der Begriff Plattdeutsch stammt und welche grammatikalischen Besonderheiten das Plattdeutsche aufweist.

Plattdeutsch hat nichts mit „platt“ im Sinne von „der kann nicht viel, es fehlt ihm an Bildung, ist einfach in seiner Lebensart“ zu tun. Vielmehr liegt der Ursprung im 16. Jahrhundert. „Sic dat maol platt“ bedeutet: Sprich es klar und deutlich, verständlich aus.

Plattdeutsch ist eine eigene Sprache. Es bevorzugt einfache, bildhafte Sätze. Substantive werden oft mit Verben und Adjektiven umschrieben. „Er schrie aus Leibeskräften – Hei lärmde at wenn hei inne Forken seet.“ Im Plattdeutschen gibt es keine Wörter mit den Endungen -heit, -keit, -ung oder -schaft: „Er ändert seine Meinung nicht. – Hei bliff up sien Kopp bestaohn“, „Er ist auf dem Wege der Besserung – Hei kummp weer uppe Beine“. Zudem fallen in der Grammatik der Dativ und der Akkusativ zusammen: „Giff mi diene Hand! Ick fraie mi. Mi gaiht dat weer bäter. Sei teuwt up mi.“

Wichtig ist, dass sich die Sprachformen in den verschiedenen Regionen Niedersachsens deutlich unterscheiden. Am Beispiel Oldenburger Land wird deutlich, dass kein einheitliches Oldenburger Plattdeutsch gesprochen wird. Folgende unterschiedliche Formen gibt es im nordniedersächsischen Plattdeutsch:
Raum Jever-Saterland-Wangerooge-Helgoland (vom Friesischen beeinflusst)
Raum Wesermarsch (Verwandtschaft zum Holländischen)
Raum Oldenburg-Ammerland
Raum Barßel (Ähnlichkeiten zum Holländisch-Friesischen)
Raum Lindern (Einfluss vom Hümmling)
Raum Dinklage-Carum (lautliche Schattierungen)
Raum Goldenstedt-Visbek (Einfluss östlich der Hunte).

Zudem unterscheidet sich das nordniedersächsische Plattdeutsch vom westfälischen durch die Aussprache. Durch ein breit gezogenes „au“ (= „ao“ oder „oo“), durch ein langes „a“, durch Brechung der Laute „ä, ö, e, ei“ zu „iä, öi“ oder „äi“ (Dammer Platt) sowie durch das Hervorheben der Endsilben „-en“, „-ken“ und „-et“.

An dieser Vielfalt der Unterschiede wird deutlich, dass das Plattdeutsche eine abwechslungsreiche Sprache ist, die aufgrund der umgangssprachlichen Funktion nur schwer der heutigen Zeit angepasst werden kann. Vor allem neuartige Begriffe aus Wissenschaft und Technik sind als hochdeutsche Begriffe in den Köpfen der Menschen verankert. Dazu zählen Wörter wie Mähdrescher, Staubsauger, Fernsehgerät, Computer, Intensivstation und Infrastruktur.

In Bezug auf die Entwicklung des Niederdeutschen im Oldenburger Münsterland, vor allem im Kreis Cloppenburg, stellt Hartmann in seinen Untersuchungen fest, dass in der Generation der 99- bis 75-Jährigen im Alltag fast nur Plattdeutsch gesprochen wird. In der Generation (75 bis 50 Jahre) wurde häufig Plattdeutsch gesprochen. Diejenigen, die kein platt sprechen, gaben als häufige Begründungen die damals empfundene „Minderwertigkeit“ der plattdeutschen Sprache an. Die nächst jüngere Generation zeigt den deutlichen Trend zum Hochdeutschen. Nur noch gelegentlich wird zu Hause plattdeutsch gesprochen.

Es muss die Frage gestellt werden, inwiefern die Forderung nach Weltoffenheit bei den Menschen das Bewusstsein für die eigene Herkunft vernachlässigen lässt. Schließlich gibt es in dieser Region mit dem Niederdeutschen eine Sprache, die in die EU-Charta der Regional- und Minderheitensprachen aufgenommen wurde, also besonders gefördert werden sollte.

Franz-Josef Hartmann



10.
2009-Dez-20
OV am Sonntag [Vechta]

Studentin Insa Zimmer aus Greetsiel studiert an der Hochschule Vechta

Durch Seminar zum „Platt“

Vechta – Insa Zimmer ist in Norden geboren und in Greetsiel beheimatet, seit 2006 studiert sie Germanistik, Sachunterricht und Geographie an der Universität Vechta. Sie beschreibt in ihrer Arbeit „Mein Platt“ ihre eigenen Erfahrungen mit dem Plattdeutschen an der Uni Vechta.

Da sie aus einer plattdeutsch sprechenden Region komme, interessierte es sie, an der Universität mehr über die Sprache zu erfahren und sogar Plattdeutsch sprechen zu lernen. In den ersten Sitzungen hatte sie Schwierigkeiten, die Referenten zu verstehen, denn das Plattdeutsch, das man im Raum Vechta spricht, unterscheide sich von dem ostfriesischen Plattdeutsch.

Im Verlauf der weiteren Sitzungen habe man sich in kleineren Gruppen getroffen, in denen die Studenten plattdeutsche Texte oder Redewendungen lasen und darüber sprachen. Das fanden die Studenten besonders interessant und auch sinnvoll, denn so kam man der Sprache selbst näher, als wenn man nur einer auf Plattdeutsch gehaltenen Vorlesung folgen würde. Die Studentin begann, einige Wörter mit dem ostfriesischen Plattdeutsch zu vergleichen, und stellte trotz ihrer geringen Sprachkenntnisse viele Unterschiede fest. Das ostfriesische Platt weist wesentliche Unterschiede zu den in anderen Regionen gesprochenen Varietäten der Sprache auf. Dies sei auch auf den niederländischen Einfluss zurückzuführen. Insa Zimmer führt in ihrer Hausarbeit aus: „Als Kind bin ich mit Plattdeutsch wenig in Berührung gekommen. Meine Mutter, die Plattdeutsch sprechen kann, hat es mit den Kindern nicht gesprochen und meine nebenan wohnende Großmutter stammt aus Oberschlesien und beherrscht daher kein Plattdeutsch. Doch als ich zehn Jahre alt war, wurde das Dachgeschoss unseres Hauses von Bauarbeitern aus unserem Dorf ausgebaut, und ich lernte, Plattdeutsch zu verstehen. So wurde ich nach und nach vertraut mit der Sprache, antwortete aber dennoch in Hochdeutsch. Heute nennt man das „bilinguale Kommunikation“.

Diese Erinnerung aus Kindertagen zeige abermals, dass Plattdeutsch besonders im handwerklichen Bereich die Umgangssprache war. Das sei auch heute noch so. Jugendliche, die im Dorf arbeiten, sprechen mit den Älteren am Arbeitsplatz überwiegend Plattdeutsch. So wird die Regionalsprache im Alltag an die jüngere Generation weitergegeben. Am Schluss ihrer Arbeit stellt Insa Zimmer fest: „Ich finde es sehr schade, dass man mit mir kein Platt gesprochen hat, als ich ein Kind war, denn als Kind lernt man eine Sprache sehr schnell und hat keine Hemmung, sie dann auch anzuwenden. Als Erwachsener tut man sich damit wesentlich schwerer. Früher wurde Mehrsprachigkeit oft als ein Nachteil gesehen, und es kam die Behauptung auf, Kinder, die mehrsprachig aufwachsen, hätten größere Probleme in der Schule. Heute vertreten jedoch viele die Meinung, dass eine frühe Mehrsprachigkeit die intellektuellen Fähigkeiten von Kindern unterstützen kann. Und gerade eine Sprache wie Plattdeutsch, die eng mit dem Hochdeutschen verbunden ist, bereitet den Kindern keine Schwierigkeiten.“

Das Seminar „Niederdeutsch“ bei Prof. Dr. Kürschner und den Kringmitgliedern hat Insa Zimmer dazu bewogen, sich intensiver mit der plattdeutschen Sprache zu beschäftigen. Es habe zusätzlich ihren Ehrgeiz geweckt, diese Sprache auch sprechen zu wollen. Als zukünftige Lehrerin möchte sie auf jeden Fall auch Plattdeutsch mit denen sprechen können, die sie nur auf diese Weise für sich gewinnen könne. Außerdem sei es sehr wichtig, die Sprache des eigenen Dorfes sprechen zu können, um ein Stück heimatlicher Kultur und Tradition weiterzuführen und zu erhalten.

Äöwer Handwarkers un ehre Arbeit segg man faoken: „Dei jung nicks lert, is olt nicks wert“ und „Üm staoht Hannen un Fäute nich in’n Wäge“.



9.
2009-Dez-13
OV am Sonntag [Vechta]

Erster Teil der Plattdeutsch-Serie: Geschichte und regionale Ausbreitung

Sprache weit verbreitet

[Bild:] Hier ist die plattdeutsche Sprache verbreitet: Die Karte zeigt die Gebiete, in denen plattdeutsch gesprochen wird (rot und grün markiert). Grafik: OV [hier nicht wiedergegeben]

Oldenburger Münsterland – Tim Sielker, Student an der Universität Vechta, ist im Jahr 1985 in Haselünne geboren und hat sein Abitur in Meppen gemacht. Er hat sich mit der plattdeutschen Sprache während seiner Schulzeit in Lesewettbewerben, Theaterstücken und im benachbarten Holland beschäftigt. Mit seinen Eltern und Freunden hat er Niederdeutsch gesprochen und auf diese Weise die Sprache individuell gefördert.

In seiner Hausarbeit „Mein Platt“ hat sich Tim Sielker unter anderem mit der Geschichte und der regionalen und sozialen Ausbreitung befasst: Wo war früher die plattdeutsche Sprache verbreitet? Wann kam der Umbruch zum Hochdeutschen? Wo wird heute noch Plattdeutsch gesprochen und von wem?

Das geografische Gebiet in dem Plattdeutsch heute noch gesprochen wird, erstreckt sich im Westen von der niederländischen Grenze bis zum östlichen Teil Mecklenburg-Vorpommerns. Im Norden wird der Sprachraum von der dänischen Grenze und der Nord- und Ostseeküste und im Süden von der Benrather Linie, die in etwa zwischen dem Rothaargebirge und Frankfurt an der Oder verläuft, markiert. In der Forschung war lange umstritten, ob es sich beim Niederdeutschen um eine eigenständige Sprache oder um einen Dialekt des Deutschen handelt. Als Sachsensprache (Altsächsisch oder Altniederdeutsch, 8. bis 12. Jahrhundert) und als Hansesprache (Mittelniederdeutsch, 13. bis 16. Jahrhundert) fungierte das Niederdeutsche als voll ausgebildete eigene Sprache. In der Hansezeit war es Verkehrssprache im gesamten Gebiet dieser Städtevereinigung, die weit über 100 Städte von Bergen über Brügge bis London umfasste. Noch heute führt der Pickerweg und der Heerweg durch das Oldenburger Münsterland, auf dem früher die Kaufleute ihre Waren beförderten. Nach dem Zerfall der Hanse und dem Durchsetzen der Reformation wurde Hochdeutsch auch im Norden Deutschlands zur Amts- und Umgangssprache und verdrängte das Plattdeutsche. Dieses wurde damit zur Mundart und verlor den Status als voll ausgebildete eigene Sprache. Dabei hat sich das Plattdeutsche aber seinen unverkennbaren, reichhaltigen Klang und viele weitere Merkmale in Wortschatz, Formenbildung und Satzbau bewahrt. Es ist keineswegs nur die Sprache der einfachen Leute oder der Bauern.

Noch vor wenigen Jahren hatte das Plattdeutsche keine feste Verankerung im Bildungswesen oder in anderen öffentlichen kulturellen Bereichen. Das hat sich nun vom Gesetz her grundlegend geändert. In der Europäischen Sprachencharta 1999 wurde Niederdeutsch/Plattdeutsch als Regionalsprache anerkannt und in ihrem Status als amtlich anerkannte, selbstständige Sprache gesichert. Dies hat man bereits auf manchen zweisprachigen Ortsschildern umgesetzt. Auch Gerichtsverhandlungen können auf Plattdeutsch geführt werden, sofern alle Beteiligten der Sprache hinreichend mächtig sind. Zu fördern ist die Sprache auch im schulischen Bereich, doch lässt die Umsetzung dieser Verpflichtung in Niedersachsen vonseiten der Landesregierung noch zu wünschen übrig. Das Niederdeutsche sollte in Lehrpläne und demgemäß auch in die Lehrerausbildung an allen Universitäten aufgenommen werden.

Germanistikstudenten an der Universität Vechta haben sich im Wintersemester 2008/09 im Seminar „Niederdeutsch“, das mit Unterstützung von Mitgliedern des Plattdütschen Kring im Heimatbund Oldenburger Münsterland von Professor Wilfried Kürschner geleitet wurde, mit der Problematik eingehend befasst. Auf dem Prüfstand stand auch die Einschätzung, dass das Niederdeutsche eine lebendige Sprache ist, die es als hohes Kulturgut in unserer Region zu erhalten gilt.



8.
2009-Dez-08
Oldenburgische Volkszeitung [Vechta]

„Plattdütsche Wörbauk“ is bolle fardig
Arbeitsgruppe van ’n „Kring“ hätt dor veier Johr an arbeit’t/Ümme 13000 plattdütsche Wör sammelt

Von Alfred Kuhlmann

Ollenborger Münsterland – „Ick teuw all so lange up den ein’n Oogenblick“, sing dei Gruppe Ich + Ich – up Hochdütsch – in ehr Lied „So soll es bleiben“. Väle Lüe teuwt uck all wat länger up „Use Wörbauk“, dat plattdütsche Wörbauk för ’t Ollenborger Münsterland (OM). Ick weit nich, wo faoken ick dissen Harwst fraogt worn bin: „Wanneiher is Jau Wörbauk denn nu fardig?“ off „Kummp dat Bauk tau Wiehnachten noch rut?“ Nu is ’t bolle sowiet. Dat ganze Warks kann in ’n poor Daoge druckt un dann inbunnen wern.

Äöwer veier Johr häbbt acht Lüe van ’n“Plattdütschen Kring in „n Heimatbund för ’t OM“ – Bernd un Anneliese Grieshop, Marga Siemer, Willi un Maria Thien, Maria Blömer, Kerstin Ummen un Alfred Kuhlmann – an dat Bauk annesäten. Maria Thien un Marga Siemer sünd inne Tüschkentied all verstorwen. Ümme 13000 Wör häbbt wi vanne Arbeitsgruppe sammelt un nao un nao in ’n Computer ingäben. Anne hunnert Maol hätt dei Gruppe sick draopen, aals naokäken un äöwer dei Schriewwiese ’van enkelde Wör sträwt – wecktiens (= manchmal) bit inne Nacht.

Nu mag dei ein off ännere fraogen: „Worüm hätt dat denn so lange düert?“ Nu: Wi häbbt väle plattdütsche Bäuker – uck öllere – läst un uck ännere Wörbäuker studeiert. Weil dei meisten Lüe ute Arbeitsgruppe in Arbeit staoht, mössen wi aals nao Fieraobend un an ’n Wäkenenne maoken. Un nich tau vergäten, dat us dei fräuhere „Kring“-Vörsitter Werner Kuper ut Baoken duusende van plattdütsche Wör vermaokt hätt, dei wi aale neit upschräwen häbbt.

Wör dei plattdütsche Schriewwiese all aff un an ’n bäten stur, so har us dei hochdütsche Rechtschriewreform bolle anne Grund krägen. Wor du dor aale nao kieken moss, dat kanns bolle nich glöwen. Kien Wunner, dat dei Duden bi jede Uplaoge dicker wedd. Usen Herrgott wäs Dank, dat us Professor Dr. Wilfried Kürschner vanne Uni in Vechte bi ’t Naokieken Stütt un Stöhn (= Unterstützung) gäben hätt. Weer un weer hätt hei aale 13000 Wör an sien’n Computer ankäken, daogelang. Aohne üm wör dat Bauk woll eierste tauken Johr Wiehnachten fardig worn.

Nu bis du bestimmt neischierig (= neugierig), wann man „Use Wörbauk“ koopen kann? Diek dei nächsten Daoge man inne Zeitung, dor staiht dat inne.

Un wenn du wäten wullt, off man dat Bauk uck noch ünner ’n Dannenboom leggen kann, dann sägge ick blots: „Ick glöw all, wenn us dei Computer dor kien’n dicken Strich döre Räknung maokt.“



7.
2009-Dez-06
OV am Sonntag [Vechta]

Studenten präsentieren „Mein Platt“
Neue Serie in der OVS über die plattdeutsche Sprache/Reihe umfasst sieben Folgen/Beginn am 13. Dezember

Vechta – Wissenswertes über das Plattdeutsche: In sieben Folgen wird die OV am Sonntag (OVS) ab kommenden Sonntag (13. Dezember) über Herkunft, Bedeutung und Wert der plattdeutschen Sprache berichten. Außerdem beschäftigt sich ein Teil dieser Serie auch mit der saterfriesischen Sprache.

Professor Dr. Wilfried Kürschner hat im Wintersemester 2008/09 an der Universität Vechta mit Unterstützung von Mitgliedern des Plattdeutschen Krings ein Seminar „Niederdeutsch“ mit mehr als 100 Studenten absolviert. Die Hausarbeiten der Studenten unter dem Generalthema „Mein Platt“ zeigen das große Interesse an diesem hohen Kulturgut, unserer plattdeutschen Sprache.

Plattdeutsch gehöre in unsere Region, erklärt Hildegard Tölke, Mitglied des Plattdeutschen Krings. Hochdeutsch und Plattdeutsch „Siete an Siete“, das bringe mehr Bildung. In der heutigen multikulturellen Gesellschaft werde Mehrsprachigkeit gelebt. Dabei habe die plattdeutsche Regionalsprache als Nahsprache einen besonderen Stellenwert, den es zu erhalten und zu fördern gelte. So sei erwiesen, dass Plattschnacker viel leichter Englisch lernen. Das Gehirn speichert, leitet ab und sucht nach den sprachlichen Wurzeln. Ab Klasse 3 lernen alle Schulkinder bereits Englisch. „Für die Mehrsprachigkeit bedarf es keiner besonderen Begabung. Der Umgang mit der zweiten und dritten Sprache fördert unsere Kinder“, erläutert Tölke.

Plattdeutsch lebe in Familien, Schulen, Büros, Arbeitsstätten, Vereinen und ganzen Ortschaften. Neuerdings habe auch das niedersächsische Arbeitsministerium in Ausschreibungen den Zusatz erlaubt, dass Bewerber mit Kenntnissen der Regionalsprache Niederdeutsch erwünscht seien. Das gelte besonders im Pflege- und im medizinischen Bereich.

In sieben Folgen werden Auszüge aus Hausarbeiten der Studenten an der Universität Vechta veröffentlicht. Dabei werden die Wurzeln der niederdeutschen Sprache und ihr heutiger Gebrauch in verschiedenen Regionen aufgezeigt. Mit ihren Arbeiten haben die Studenten zumeist unter Bezug, auf ihre eigene sprachliche Situation und die in ihren Heimatorten einen vielseitigen Beitrag zur Erhaltung und Pflege der plattdeutschen Sprache geleistet.

Hubert Hesselfeld und Hildegard Tölke aus Lohne sowie Dr. Paul Brägelmann aus Vechta haben als Mitglieder des Plattdeutschen Krings mit Unterstützung von Professor Kürschner und den Studenten die Beiträge zu dieser neuen Serie der OVS zusammengestellt.



6.
2009-Aug-04
Oldenburgische Volkszeitung [Vechta]

Hochschule schon Uni
Kürschner: Vechta hat Status schon seit 1973

Vechta (rb) – Die Hochschule Vechta wehrt sich gegen die Darstellung, ihr würde erst jetzt mit der geplanten Novelle des Niedersächsischen Hochschulgesetzes (NHG) ein universitärer Status verliehen. Professor Dr. Wilfried Kürschner von der Hochschule Vechta verweist darauf, dass die Einrichtung einen solchen Status bereits seit 1973 hat, zunächst als Abteilung der Universität Osnabrück, dann als eigenständige Hochschule ab 1995. Vechta werde demzufolge im Hochschulgesetz als eine den Universitäten gleichgestellte Hochschule geführt und habe wie die anderen Universitäten ein Promotions- und Habilitationsrecht. Mit der Novelle des Niedersächsischen Hochschulgesetzes bekomme die Hochschule nunmehr auch die Bezeichnung »Universität«, betonte Kürschner. Dies habe vor allem den Hintergrund, dass mit der Novelle die Fachhochschulen des Landes in Hochschulen umbenannt werden. Damit könne die Hochschule Vechta, die nun einmal keine Fachhochschule sei, nicht länger diesen Namen tragen.



5.
2009-Aug-03
rundblick

Vechta: Universitärer Status schon seit 1973

(rb) Hannover. Die Hochschule Vechta wehrt sich gegen die Darstellung, ihr würde erst jetzt mit der geplanten Novelle des Niedersächsischen Hochschulgesetzes (NHG) ein universitärer Status verliehen. Eine solche Formulierung findet sich u. a. auch in einer Vorlage zu der Gesetzesänderung des Wissenschaftsministeriums für das Kabinett (s. rundblick Nr. 131 vom 27.7.2009). Professor Dr. Wilfried Kürschner von der Hochschule Vechta verweist darauf, dass die Einrichtung einen solchen Status bereits seit 1973 hat, zunächst als Abteilung bzw. Standort der Universität Osnabrück, dann als eigenständige Hochschule ab 1995. Vechta werde demzufolge im Hochschulgesetz als eine den Universitäten gleichgestellte Hochschule geführt und habe wie die anderen Universitäten ein Promotions- und Habilitationsrecht. Mit der Novelle des NGH bekomme die Hochschule nunmehr auch die Bezeichnung »Universität«, betonte Kürschner. Dies habe vor allem den Hintergrund, dass mit der Novelle die Fachhochschulen des Landes in Hochschulen umbenannt werden. Damit könne die Hochschule Vechta, die nun einmal keine Fachhochschule sei, nicht länger diesen Namen tragen.



4.
2009-Mrz-26
Oldenburgische Volkszeitung [Vechta]

Ein Akt der Klarheit

Wenn McAllister, immerhin Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion in Hannover, tatsächlich gesagt hat, die bisherige Hochschule Vechta bekomme das „volle Promotions- und Habilitationsrecht übertragen“ (OV vom 19. März), so geht er von falschen Voraussetzungen aus. Vechta hat dieses Recht nämlich seit langem und macht davon regen Gebrauch: In den letzten zehn Jahren wurden an die 70 Doktorgrade verliehen und zwölf Habilitationen abgeschlossen. Genau auf dem Recht, diese Grade zu verleihen, beruht der universitäre Status Vechtas seit 1973. Jetzt wird dem - hoffentlich - in einem Akt der Namensklarheit und Namenswahrheit durch die Umbenennung in „Universität Vechta“ Rechnung getragen.

Prof. Dr. Wilfried Kürschner
Dohlenstr. 7
Vechta



3.
2009-Mrz-22
Sonntagsblatt [Vechta]

Vechta besitzt bereits eine Uni

Mit dem Artikel „Vechta bekommt Universität“ in unserer Ausgabe vom 15. März 2009 beschäftigt sich der folgende Leserbrief:

Die Überschrift „Vechta bekommt Universität“ könnte Anlass zu einem Missverständnis geben: Vechta „bekommt“ keine Universität, vielmehr besitzt Vechta seit 1973 eine Universität, die nur den irreführenden Namen „Hochschule“ tragen musste. Minister Stratmann lässt, wie das „Sonntagsblatt“ berichtet, einen der wichtigen Gründe für die Umbenennung aus dem Sack: Die niedersächsischen Fachhochschulen sollen nicht mehr „Fachhochschule“ heißen, sondern künftig als „Hochschulen“ firmieren. Bei aller Anerkennung der Verdienste, die darüber hinaus zur Neubenennung Vechtas geführt haben (vor allem Leistungen in der Forschung), bleibt doch ein Aspekt ziemlich unterbelichtet: der der Lehre, die, obwohl sie zum Teil unter schwierigsten Bedingungen zu erteilen ist, öffentlich Anerkennung findet. So leidet etwa das Fach Germanistik unter einer 140-prozentigen Auslastung und erreicht dennoch im Ranking einen Platz unter den sechs besten der ungefähr 60 deutschen Universitäten.

Prof. Dr. Wilfried Kürschner
Dohlenstraße 7
Vechta



2.
2009-Mrz-01
Sonntagsblatt [Vechta]

Fehlaussagen

Mit dem Artikel „Hochschule wird Uni“ in unserer Ausgabe vom 22. Februar 2009 beschäftigt sich der folgende Leserbrief:

Bei aller Freude über die bevorstehende Umbenennung einer der beiden Hochschulen in Vechta in „Universität Vechta“ sollte es nicht zu Fehlaussagen wie „Hochschule wird Uni“ (Sonntagsblatt vom 22. Februar) kommen: Sie „wird“ nicht Uni, sondern ist seit 1973 eine Universität, zunächst als Abteilung beziehungsweise Standort der Universität Osnabrück, seit 1995 als selbstständige Einrichtung. Es kommt also auch zu keiner „Hochstufung“, mit der „etwa das Promotionsrecht verbunden“ ist. Denn genau dieses Promotionsrecht besitzt Vechta seit langem, und dieses Recht hat ihr seit 1973 Universitätsstatus verliehen. Jetzt endlich soll die „Hochschule Vechta“ die ihr zukommende Benennung erhalten.

Prof. Dr. Wilfried Kürschner
Dohlenstraße 7
Vechta

Bezugstext:

2009-Feb-22
Sonntagsblatt [Vechta]

Hochschule wird Uni
Vechtaer Hochschule erhält bald begehrten Titel
Wissenschaftsminister Lutz Stratmann will am Freitag, 13. März, Einzelheiten verkünden.

Vechta – Aus gut unterrichteten Kreisen war es in der vergangenen Woche zuerst zu hören: Die Hochschule Vechta soll noch 2009 aufgewertet werden und darf bald die Bezeichnung Universität tragen. Mit der „Hochstufung“ ist etwa das Promotionsrecht verbunden. Das für die Aufwertung zuständige Wissenschaftsministerium in Hannover begründet diese mit steigenden Studentenzahlen, der höheren Außenwirkung des Lehrbetriebes an der Hochschule und der Schaffung neuer, originärer Studiengänge wie den der Gerontologie. Minister Lutz Stratmann will am Freitag, 13. März, inhaltliche Details zu dem Prozess der Aufwertung der Hochschule Vechta verkünden.

Die Nachricht von der Aufwertung wurde in der vergangenen Woche in der gesamten Region, in Politik, Verwaltungen und Hochschule mit Freude aufgenommen. Insbesondere die Aktiven der Initiative „Pro Uni“, vorsitzender Gert Stuke und Geschäftsführer Dr. Frank Käthler zeigten sich hoch erfreut. Käthler: „Ein tolles Gefühl, erleben zu dürfen, dass das Ziel Universität heute tatsächlich erreicht wird.“

Vechtas Ehrenlandrat Clemens-August Krapp, der sich bereits in seiner Amtszeit als Mitglied des niedersächsischen Landtages von 1974 bis 1994 vehement für den Fortbestand und die Weiterentwicklung der Hochschule in Vechta eingesetzt hatte, dankte jetzt bei einem Besuch in Hannover dem zuständigen Minister Stratmann. Krapp betonte, dass er und sein Nachfolger im Landtag, Friedhelm Biestmann, immer um den Status „Universität“ gekämpft hätten.

Gemeinsam mit Vechtas Landtagsabgeordneten Dr. Stephan Siemer lobte Krapp am Rande einer Sitzung des Landtages die Umsetzung dieses Anliegens der gesamten Region. „Dass jemand kommt und sich bedankt, das haben wir in der Politik selten“, freute sich ebenso der Minister über das Treffen.

[Bild:] Dank für die Aufwertung der Hochschule Vechta zur Universität: Clemens-August Krapp mit Minister Lutz Stratmann und dem Vechtaer Abgeordneten Dr. Stephan Siemer (v. li., alle CDU) Foto: Privat



1.
2009-Feb-23
Oldenburgische Volkszeitung [Vechta]

Universität Vechta

Zum Artikel »Universität Vechta« (OV vom 18. Februar):

Hoffentlich zum letzten Mal ist ein Zungenschlag in der OV-Berichterstattung zu korrigieren: Wenn die Hochschule Vechta umbenannt wird in »Universität Vechta«, ändert sich an ihrem Status nichts. Sie wird keine »echte Universität«, denn das ist sie schon seit 1973, damals als Abteilung bzw. Standort der Universität Osnabrück. Seit ihrer Verselbstständigung 1995 ist sie den übrigen Landesuniversitäten gleichgestellt. Dass sie dem Kreis der Universitäten zugehört, geht daraus hervor, dass sie das Promotions- und Habilitationsrecht besitzt. Sie erhält also endlich die Bezeichnung, die ihr von Rechts wegen zusteht. Dennoch ist eine gewisse Skepsis angebracht: Wie die OV korrekt berichtet, muss dazu das Niedersächsische Hochschulgesetz geändert werden. Im Referentenentwurf des Wissenschaftsministers mit Stand Januar 2009 ist an der entscheidenden Stelle in Paragraf 2 aber noch immer von der »Hochschule Vechta« die Rede, eine Änderung in die neue Benennung »Universität Vechta« ist dort (noch) nicht vorgesehen.

Prof. W. Kürschner
Dohlenstr. 7
Vechta

Bezugstext:

2009-Feb-18
Oldenburgische Volkszeitung [Vechta]

Universität Vechta
Hochschule soll neuen Status erhalten
Vechta (ry) – Die Hochschule Vechta wird eine echte Universität. Das erfuhr diese Zeitung aus gut unterrichteten Kreisen.
Wissenschaftsminister Lutz Stratmann (CDU) will dem Vernehmen nach bei einem Besuch am 2. März Hochschulpräsidentin Dr. Marianne Assenmacher darüber in Kenntnis setzen. Für die Umbenennung muss freilich noch das Niedersächsische Hochschulgesetz geändert werden. Das soll in der Mitte des Jahres erfolgen.
Auch Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) hatte in einem Interview mit dieser Zeitung bestätigt: »Die Chancen sind erheblich gestiegen aufgrund der guten Ergebnisse der Beurteilung.«